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letzte Aktualisierung: 21.05.2018    
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Hertha-Unikum „Pepe“ Mager Der langjährige Edel-Fan stirbt im Alter von 80 Jahren
Berliner Zeitung vom 29.04.2019 von Michael Jahn

Peter Mager, genannt "Pepe", ist im Alter von 80 Jahren in Berlin gestorben. Mager galt als Berliner Original und war in den 70er Jahren in der gesamten Fußball-Bundesliga bekannt. Er war einige Zeit Anführer der berüchtigten "Hertha-Frösche" und gründete 1972 den überhaupt ersten Hertha-BSC-Fanklub. Später war Mager, der die Mannschaften von Hertha BSC viele Jahre bei allen Spielen begleitete, als Fanartikel-Händler aktiv. Er betrieb einen mobilen Stand vor dem Olympiastadion und einen Shop in Friedrichshain. Mager lebte zuletzt in einem Pflegeheim in Tiergarten. Er stand schon in der Fankurve des Berliner Olympiastadions, als Otto Rehhagel im zarten Alter von 25 Jahren als eisenharter Verteidiger von Hertha BSC in der neu gegründeten Bundesliga auflief. Der Eintritt kostete 14 Mark auf der Tribüne, Stehplätze an der Marathontreppe waren für 2,50 Mark zu haben. Das war im August 1963. Später verpasste er kaum ein Spiel seiner Hertha – weder zu Hause, noch auswärts in den westdeutschen Stadien. Die Rede ist von Pepe Mager, dessen richtigen Namen Peter Klaus-Dieter Mager kaum jemand kennt.

Ein kräftiger Kerl

Ich weiß nicht mehr genau, wann ich zum ersten Mal auf Pepe Mager traf. Es muss Anfang der Neunzigerjahre gewesen sein. Pepe war damals ein großer, kräftiger Kerl. Oft kam er mürrisch daher, liebte derbe Sprüche. Er konnte aber auch liebenswürdig sein. Und hilfsbereit. Gern erzählte er von den vielen Geschichten, die ihn zu „Pepe, den Oberfan“, zum Anführer der berüchtigten „Hertha-Frösche“ machten – und zu einem ligaweit bekannten Berliner Original. 1963 organisierte Pepe Auswärtsfahrten zu den Hertha-Spielen, was aufwendig war, weil die Fans durch die DDR reisen mussten. Er verkaufte aus dem Koffer Fanartikel und viel Bier, dass er zuvor in den Schließfächern am Bahnhof Friedrichstraße gebunkert hatte. Man fuhr in Interzonenzügen oder auch in Sonderzügen. Das Bier floss oft in Strömen. Die Fans nannten den geschäftstüchtigen Mager fortan Pepe nach dem Film „Die Lümmel von der ersten Bank“, wo es einen Pepe, den Paukerschreck gab. „Den Film habe ich zwölfmal gesehen“, erzählte mir Pepe einmal. Zuerst seien sie meist um die 30 Leute gewesen, die alle Spiele besuchten. Egal ob in Gelsenkirchen, Dortmund, München, Essen oder Frankfurt.

Geburtsstunde der "Hertha-Frösche"


Lange, blau-weiß und längs gestreifte Hosen waren ihr Markenzeichen. Im Februar 1970 schlug dann die Geburtsstunde der „Hertha-Frösche“. Beim Spiel Hertha gegen Rot-Weiß Essen, das die Berliner mit 4:0 durch je zwei Treffer von Franz Brungs und Lorenz Horr gewannen, war es bitterkalt. „So um die zehn Grad minus“, sagte Mager. Pepe und sein Anhang hüpften unermüdlich auf ihren Plätzen auf und ab, um sich warmzuhalten. Der Journalist Lutz Rosenzweig von der Berliner Fußball-Woche verpasste ihnen deshalb den Namen „Hertha-Frösche“. Später sorgten diese Fans für viel Ärger, sie pöbelten, randalierten in den Fernzügen und prügelten sich oft mit den Anhängern von Schalke 04. „Die ham wa gern verdroschen“, so Pepe. Der distanzierte sich später von den oft zu gewaltbereiten „Fröschen“ und gründete im Februar 1972 zusammen mit dem ehemaligen Hertha-Präsidenten und Gastronomen Wolfgang Holst („Holst am Zoo“) den ersten Hertha-Fanklub überhaupt. Pepe war in der Bundesliga bekannt wie ein bunter Hund, als Berliner Original mit Kodderschnauze. Einmal bekam er Post aus Westdeutschland. Es war ein Bierdeckel mit einer Briefmarke und der Adresse „Pepe Berlin“. Der Deckel kam tatsächlich an. Pepe und seine Anhänger reisten auch ins Ausland. So zum Uefa-Pokalspiel der Hertha 1979 zu Dukla Prag. Pepe hatte angekündigt, bei einem Hertha-Sieg im Schlafanzug von zu Hause in Tiergarten bis zur Gedächtniskirche zu laufen und eine Kerze anzuzünden. Hertha gewann 2:1 und Pepe tat, unter dem Beifall seiner Anhänger, was er versprochen hatte. 1984 – Hertha verband schon eine Fanfreundschaft mit dem Karlsruher SC – machten sich Pepe und Fanfreund Helmut Friberg gemeinsam auf, um mit dem Rad bis Karlsruhe zu fahren. Ein symbolischer Akt der Zuneigung zum KSC. Mit dem Zug ging es bis Bebra und danach in fünf Tagen auf dem Rad bis Karlsruhe. Im Wildpark-Stadion fuhren die beiden eine Ehrenrunde und wurden frenetisch gefeiert. Für solche Aktionen war Pepe stets zu haben.

Das Hertha-Schiff geküsst

Er widmete sich fortan immer mehr dem professionellen Verkauf von Fanartikeln, stand viele Jahre mit seinem mobilen Verkaufsstand vor dem Olympiastadion. Später, nach dem Fall der Mauer, verkaufte er auch Devotionalien des 1. FC Union und hatte sich einige Jahre lang sogar sehr clever die Rechte am Logo des BFC Dynamo gesichert, der zwischenzeitlich FC Berlin hieß. 1995 eröffnete er einen festen Fanartikelladen mit dem symbolträchtigen Namen „Intershop“ in Friedrichshain. Es gab Utensilien von Hertha, von Union, vom BFC und anderen Klubs. Und auch „unter dem Tisch“ ab und an eine der viel begehrten Karten für das DFB-Pokalfinale. Pepe war nun endgültig ein Gesamt-Berliner. Anfang der Neunzigerjahre trat er bei Wahlen als Gegenkandidat zu Hertha-Präsident Heinz Roloff, einem Bauunternehmer, an und prägte den Slogan „Wird dir deine Frau zur Qual, erwürg sie mit ’nem Hertha-Schal!“ 1992, als Herthas Anhänger das Gründungsschiff in Wusterhausen/Dosse nördlich von Berlin wieder entdeckten, fuhr Pepe als einer der ersten Fans zum Liegeplatz des Schiffes. Er kniete vor dem Schiff nieder und küsste inbrünstig den Rumpf. Es flossen viele Tränen. Seine Laube in einer Kleingartenanlage strich er in den Farben Blau und Weiß.

Mager wird verdrängt

Später wurde aus seiner großen Liebe zu Hertha eine Hass-Liebe. Millionenschwere Profis, VIP-Logen und Spieler, die immer weniger Kontakt zu ihren Fans hatten, stießen ihn ab. Der Fußball wurde ihm zu kommerziell und zu unnahbar. Die neue Zeit konnte und wollte er nicht begreifen. Nach 40 Jahren musste er seinen Fanartikelstand am Olympiastadion räumen, der Senat hatte ein neues Konzept entwickelt, da war kein Platz mehr für sein altmodisches Mobil. Zwei Schlaganfälle trafen Pepe später. Von Hertha habe sich niemand um ihn, den einst größten Anhänger, gekümmert, klagte Mager. Als er einmal mit seinem Schwerbehindertenausweis und Gehhilfen eine nahe VIP-Toilette im Olympiastadion aufsuchen wollte, wurde ihm das verweigert und er sollte stattdessen viele Treppen steigen, um ein anderes WC zu finden. Danach ging er – verbittert – nicht mehr ins Olympiastadion zu seiner Hertha. Den Zeiten, als der Fußball vor allem nach Bratwurst roch und die Spieler auch ab und an mit den Fans ein Bier tranken, trauerte er nach. Nicht nur er.

Berliner Zeitung vom 29.04.2019horizontale linie
klick hier: Hertha BSC vs Stuttgart 3:1 vom 04.05.2019

klick hier: Hertha BSC vs Stuttgart 3:1 vom 04.05.2019
Nach drei Spielen ohne Treffer
3:1! Hertha feiert gegen Stuttgart seine Torerlösung
BZ vom 04.05.2019

Nach sieben sieglosen Spielen und 358 torlosen Minuten durfte Hertha gegen den VfB Stuttgart endlich wieder jubeln.

Hertha kann doch noch treffen und gewinnen! Gegen Abstiegskandidat VfB Stuttgart landen die Berliner einen 3:1-Heimsieg. Eine Erlösung für die Berliner nach sieben erfolglosen Partien. Auf der Ehrentribüne erleben Bundestrainer Jogi Löw (59) und DFB-Torwart-Trainer Andreas Köpke (57) eine tolle Stimmung vor 48.668 Zuschauern im Olympiastadion. Dem Hertha-Anhang scheint die Minusserie ihrer Mannschaft wenig auszumachen. Stuttgarts Fans schöpfen unter dem neuen Trainer-Coach Nico Willig (38) Mut im Abstiegskampf. Schrecksekunde Hertha: Rdekik stoppt einen Gonzalez-Kopfball mit dem Arm. Schiri Daniel Schlager (29, Hügelsheim) gibt keinen Elfmeter für Stuttgart (36.). „Schön ist, dass es keiner mitgekriegt hat. Glück gehabt“, urteilt Herthas Lukas Klünter (22) bei Sky. Vier Minuten später beendet Vedad Ibisevic (34) Herthas Ladehemmung. Nach 358 torlosen Minuten staubt der Bosnier zum 1:0 ab (40.)! Sein 10. Saisontor ist ein Pfund für Ibisevic im Poker um einen neuen Hertha-Vertrag. Michael Preetz (51) würde mit dem Torjäger gern um ein Jahr verlängern, ist mit dem Tempo der Verhandlungen nicht recht zufrieden. Berlins Manager: „Der Berater hat ein bisschen viel Urlaub gemacht.“
Hertha ist nach der Tor-Erlösung in Schusslaune. Ondrei Duda (24) erhöht noch vor der Pause auf 2:0 (45.+1). Duda ist damit Herthas erster Mittelfeldspieler mit elf Toren in einer Bundesliga-Saison seit Ball-Zauberer Marcelinho (2001 – 2006 in Berlin). Kein Bundesliga-Mittelfeldspieler hat in der aktuellen Saison öfter getroffen als Duda. Mathew Leckie (28) wird zum Hertha-Pechvogel. Der Australier knickt mit dem linken Knöchel um, wird verletzt vom Platz geführt. Für Leckie kommt Javairo Dilrosun (67.). Der Holländer zündet sofort den Turbo. Nach tollem Sprint flankt er auf Kalou, der zum 3:0 einnetzt (67.). Beim VfB sticht Joker Mario Gomez, 3:1 (70.).

BZ vom 04.05.2019horizonztale linie
Nur Lazaro trifft 1:5!
Hertha kassiert deutliche Niederlage gegen Leverkusen
BZ vom 18.05.2019 von Stefan Ferrari

Nur kurz keimte durch den Ausgleich von Valentino Lazaro Hoffnung bei Hertha auf, doch am Ende siegte Bayer Leverkusen klar und deutlich.

Hertha hat es verpasst, Trainer Pal Dardai und Fabian Lustenberger ergebnistechnisch würdig zu verabschieden. Mit 1:5 (1:1) verloren die Berliner vor 59.287 Zuschauern im Olympiastadion gegen Bayer Leverkusen, das sich dadurch für die Champions League qualifizierte. Mit seinem 17. Saisontor eröffnete Supertalent Kai Havertz am Samstag die Toreshow in Berlin in der 28. Minute. Lucas Alario (38., 72., 88.) und Julian Brandt (54.) erhöhten für die Gäste, nachdem Valentino Lazaro in der 34. Minute den Ausgleich erzielt hatte. Vor dem Spiel wurden Dardai, Lustenberger und Julius Kade vor der Ostkurve verabschiedet. Vor allem Lustenberger ging dies Nahe, er kämpfte mit den Tränen. Im Spiel war er einer der wenigen positiven Erscheinungen bei Hertha. Trotzdem feierten die Berliner Fans sich und das Team auch nach dem aussichtslosen Rückstand. Die Vorbereitung auf die neue Saison geht Hertha mit Ante Covic als Cheftrainer an.

BZ vom 18.05.2019horizontale linie
Beim letzten Saisonspiel
Pal Dardais Tränen-Abschied von Hertha
BZ vom 18.05.2019 von Roberto Lamprecht und Marcel Braune

Das ließ selbst den coolen Ungarn nicht kalt! Zwar spielte Hertha im letzten Saisonspiel nicht gut und verlor 1:5 gegen Leverkusen. Doch das war an diesem Sonnabendnachmittag Nebensache. Es war der Tag, an dem Hertha-Trainer Pal Dardai (43) ging. Kuss und Schluss.

Die Abschieds-Show für den Coach begann schon weit vor dem Spiel, als es „Szia“ – ungarisch für tschüss – hieß. Nach viereinhalb Jahren betrat Dardai um 15 Uhr zum letzten Mal als Hertha-Trainer das Olympiastadion. Zusammen mit seinen Co-Trainern Rainer Widmayer (52, geht nach Stuttgart) und Admir Hamzagic (33) wurde er vor Anpfiff vor der Ostkurve verabschiedet. Als die Fans Sprechchöre für Dardai anstimmten, war die Gänsehaut-Atmosphäre perfekt. Sichtlich Gerührt grüßte Dardai mit feuchten Augen und erhobenem Daumen Richtung Ostkurve. Es ging noch sentimentaler: Frank Zander sang seine „Nur nach Hause“-Hymne mit Dardais Namen in der ersten Textzeile. Nach der Pleite hatte Dardai seine Fassung zurückgewonnen: „Ich gebe mir als Trainer eine Note wie als Spieler: Starker Durchschnitt, Note 3.“

Stimmung: feierlich, wehmütig. Die Zuschauer stimmten immer wieder „Dardai“-Sprechchöre an.

Besonders Herthas Ostkurve legte sich ins Zeug. Etwa mit einem Plakat mit der Aufschrift: „Hertha BSC ist eine Lebenseinstellung. 20 Jahre dabei und Held was er verspricht.“ Dardai: „Danke liebe Hertha-Fans. Bleibt so, wie ihr seid. Unterstützt weiter Hertha BSC.“ Tosender Applaus.

Um 17.42 Uhr verließ Dardai den Rasen.

Auch Fabian Lustenberger (31), der den Klub nach zwölf Jahren verlässt, wurde von den Herthanern gemeinsam mit Dardai geehrt– unter anderem nach Abpfiff mit einem Banner, auf dem stand: In euch fließt blaues Blut, danke Pal und Fabian.

Was kommt als nächstes für Herthas (Ex-)Trainer?

Auf der Mitgliederversammlung Sonntag (ab 11 Uhr in den Berliner Messehallen) wird Dardai dann ein letztes Mal verabschiedet. Dardai: „Ich will erstmal etwas weg vom Fußball. Gucken, beobachten, erholen.“ Und er ergänzt: „Ich möchte mich auch bei der Stadt und den Fans bedanken. Ich habe immer gespürt, dass ich geliebt werde. Ich bin froh und stolz in Berlin leben zu dürfen. Ich habe Gäste aus Ungarn da, freue mich auf kalten Wein. Stand jetzt verspüre ich keine große Wehmut. Vielleicht kommt die in einem Monat auf. Ich bleibe Herthaner, egal was passiert.“

Dardais Bilanz nach viereinhalb Jahren als Coach: 65 Siege, 42 Unentschieden und 65 Niederlagen. Doch die Zahlen sagen wenig aus über Herthas großes Idol.

Nie wieder gibt Dardai seine Anweisungen von der Seitenlinie, seine herzliche aber klare Art wird dem Verein fehlen.

So cool, wie sich Dardai vor den Mikros gab, so emotional war er auf dem Feld und an der Linie. Nach Abpfiff bedankte er sich beim gesamten Team und bei seinen Spielern, packte sie zur Umarmung. Kuss und Schluss.

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