Elfmeter im Pokal verschossen
Das sagen Reese und Leistner zu Klemens' Fehlschuss
BZ vom 11.02.2026 von Carsten Priefer, Roberto Lamprecht
Am liebsten wollte Pascal Klemens (20) im Boden versinken. Nach seinem verschossenen Strafstoß hockte er zusammengesunken am Elfmeterpunkt, prügelte mit den Fäusten auf den nassen Rasen ein. Sein Fehlschuss bedeutete Herthas bitteres Pokal-Aus gegen Freiburg (4:5 i.E.).
Hertha-Trainer Stefan Leitl (48) macht Klemens aber keinen Vorwurf: "So etwas gehört zum Erwachsenwerden dazu. Er hat als junger Spieler Verantwortung übernommen und nicht getroffen. Das tut weh, aber am Donnerstag muss das aus dem Kopf sein."
Ausgerechnet Defensiv-Spezialist Pascal Klemens wird zum großen Pechvogel. Irgendwie passend zu seinem Saisonverlauf, in dem der deutsche U20-Nationalspieler gerade eine Achterbahn der Gefühle erlebt.
Erst war er lange verletzt (OP am Sprunggelenk), gab sein Startelf-Debüt in dieser Zweitliga-Saison gegen Darmstadt (1. Februar), in dem er beim Stand von 2:0 einen Elfmeter verursachte. Das Spiel endete 2:2. Eine Woche später gelang ihm beim 3:0 in Elversberg sein erstes Saisontor, was Hertha auf die Siegerstraße brachte. Nun der Fehlschuss, der Herthas Träume vom Pokal-Endspiel im eigenen Stadion zerstörte. Auf und ab in kurzer Zeit.
"Da muss man auch erst einmal die Eier haben, sich dahinzustellen."
Hertha-Kapitän Fabian Reese (28) war der Erste, der Klemens in den Arm und später auch in Schutz nahm: "Einen Elfmeter kann man verschießen, das ist absolut menschlich. Wir bauen den Jungen auf, es ist sicherlich keine leichte Situation für ihn. Wir fangen das auf als Team." Toni Leistner (35) fügt an: "Elfmeterschießen ist auch immer Glückssache. Kein Vorwurf an die Jungs (auch Cuisance verschoss – d. Red.). Da muss man auch erst einmal die Eier haben, sich dahinzustellen."
Wie geht es mit Klemens weiter? Eier hat Klemens! Er gilt für sein Alter als überdurchschnittlich gut. Ein Berliner Junge, der auch spielerisch und mental eigentlich sehr weit ist. Doch die letzte Zeit bei Hertha könnte ihn auch etwas zermürbt haben. So würde sich das Klemens-Umfeld mehr Wertschätzung wünschen.
Seit eineinhalb Jahren dauern die Vertragsverhandlungen. Ein erstes Angebot führte vor langer Zeit nicht zur Einigung. Obwohl Hertha immer betont, Klemens unbedingt halten zu wollen, folgte kein weiteres Angebot. Keine leichte Situation für das Eigengewächs, das sich nun ernsthafte Gedanken über einen Vereinswechsel machen muss. Interessenten aus der Bundesliga gibt es genug – trotz des verschossenen Elfers.
BZ vom 11.02.2026